Bisher ist nichts Großes geschehen,
aber jetzt beginnt was Großes!

Karlsruhe hat ein neues Alleinstellungsmerkmal:
Baustellen, Baustellen, Baustellen.
Und nochmals Baustellen.

Eine bessere Zukunft verspricht die große Infrastrukturmaßnahme ‚Kombi-Lösung’ – zunächst durch ihr Gegenteil. Zeitersparnis und Komfort ist uns in Aussicht gestellt – und jetzt lernen wir erst mal darauf zu verzichten.

Bauverzögerungen lassen die rosige Zukunft in noch weitere Ferne rücken. Da ist Bürgersinn und Gemeinschaftsgefühl gefragt!

Karlsruherinnen und Karlsruher!
Walter Casazza, der Geschäftsführer der KASIG, weist uns den Weg!
Er proklamiert: „…weitere Unternehmen auf die Baustelle zu lassen, um die Arbeiten voranzutreiben.“ (dpa)

Aufruf

Karlsruherinnen und Karlsruher!

Kommt und beteiligt euch am Unternehmen VOLKSBAUSTELLE©!

Legt selber Hand an! Bringt Arbeitsgeräte, Muskelkraft und Energie mit! Eröffnet die VOLKSBAUSTELLE ©!

Räumt die Baustellen frei von Verzagtheiten, Verzögerungen und Verschiebungen!

Baut mit an der Zukunft unserer Stadt! Werdet tätig!

Beschleunigt die Zukunft!

Damit wir alle früher Zeit sparen, komfortabler und schneller glücklich werden! Dass auch die Hochbetagten noch in den Genuss der verheißungsvollen Zukunft kommen!

Werdet heute mobil, damit ihr morgen mobiler werdet!

Macht die Baustellen zu Euren, bildet eins, zwei, drei VOLKSBAUSTELLEN ©!!

Die VOLKSBAUSTELLE © ruht nie, die VOLKSBAUSTELLE © vermehrt sich!

So lasst uns also, mit Energie gepanzert statt mit Worten, mit Spaten, Schaufeln und Schubkarren in der Hand zur Tat schreiten!

Werdet VOLKSBAUSTELLE ©!

BESCHLEUNIGT DIE ZUKUNFT!

Die große Infrastrukturmaßnahme ‚Kombi-Lösung’ erfindet die Fächerstadt Karlsruhe neu. Sie spinnt sich in einen Kokon von Baustellen ein, um sich dann in wenigen Jahren noch moderner und weltoffener, als sie es heute schon ist, zu entpuppen.

Zeitersparnis und Komfort, das sind die entscheidende Gründe für das millionenschwere Vorhaben. Vorübergehend, für die kleine Zeitspanne von ca. 9 Jahren, verzichten die Bürgerinnen und Bürger von Karlsruhe nun gerne darauf.

SO IST DAS NUN MAL!Alles wird entschleunigt, langsamer, lauter, beschwerlicher.

Jedes große Projekt verspricht eine bessere Zukunft zunächst durch ihr Gegenteil.

Die Chancen liegen auf der Hand: Noch nie war es leichter, sein Ziel auf unbekannten Wegen zu erreichen. Absperrungen und Schilder verweisen die Verkehrsteilnehmer auf ungeahnte Möglichkeiten, die Stadt neu kennen zu lernen. Das Einkaufen wird zum Abenteuer. Für eine schöne Weile wird das Improvisierte, das ‚Noch-nicht-Fertige’, eine ‚Kultur des Übergangs’ Realität. Kommen dann auch noch Bauverzögerungen hinzu, können die Bürgerinnen und Bürger von Karlsruhe der Welt noch deutlicher als bisher beweisen, wie flexibel, tolerant und genügsam sie sind.

Und doch gibt es kritische Stimmen, Nörgler und Bedenkenträger, die sich nicht mit den Vorteilen des NEUEN anfreunden können, in dumpfer Opposition der MODERNE gegenüberstehen und ihre eigene Bequemlichkeit den Zielen des GROßEN GANZEN überordnen.

Aber auch diese Gestrigen sind Bürger unserer Stadt, deren Bedenken wir alle ernst nehmen sollten! Und ist es daher nicht verständlich, dass sich Walter Casazza, der Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), als guter Demokrat erweist und sich vor diese Minderheit stellt? Und mit ihnen dem ausführenden Baukonsortium unter Führung der Münchner Alpine Bau AG, wie dpa meldet, entgegenhält: „Die Geduld der Bürger ist nicht unendlich“. Und androht, „weitere Unternehmen auf die Baustelle zu lassen, um die Arbeiten voranzutreiben.“

Eine interessante Idee, meinen wir.

Denn ist es – trotz badischer Gelassenheit – nicht für alle erstrebenswert, schneller (oder „wie geplant“) in den Genuss von Zeitersparnis und Komfort zu kommen? Und sind wir nicht alle schon, wenn wir ehrlich sind, ein bisschen erschöpft von all dem NEUEN?

Ja! Ja! Ja!

Daher rufen wir die Bürgerinnen und Bürger von Karlsruhe auf, sich aktiv ins Baugeschehen einzubringen und sich an dem Unternehmen VOLKSBAUSTELLE © zu beteiligen.

Werdet VOLKSBAUSTELLE ©!

Kollaboration: Simone Manthey und Jörg Brombacher